Hundepfoten-in-Not-Forum
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Aus Aragon wurde Enzo

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Beitrag  Irubis am Di 21 Apr 2020, 20:22

Als der kleine Aragon in einem Gewerbegebiet bei Karlsruhe aus dem Transporter gehoben wurde, bekam ich weiche Knie. Es war furchtbar rührend, wie einer nach dem anderen dieser angstvollen Schar nach draußen kletterte und von seiner neuen Familie in Empfang genommen wurde. Aber gleichzeitig dachte ich bei Aragons Anblick: „Ach, du liebes bisschen – das soll jetzt unser neuer Hund sein?“ Panik! Können wir diesen mickrigen Straßenköter jemals gerne haben? Unser vorheriger Hund war so ein prächtiges Tier gewesen - und nun sollte dieser klapprige kleine Kerl, mit seiner schmuddeligen Fellfarbe, einem vorstehenden Unterkiefer, schiefen braunen Zähnen und ordentlich Mundgeruch unser neuer Familienliebling werden?
Also, das war bei mir nicht Liebe auf den ersten Blick. Ich war, ehrlich gesagt, von Zweifeln überwältigt: Hatten wir uns zu früh einen neuen Hund gesucht, waren wir vielleicht noch gar nicht offen für einen neuen Gefährten?
Wir packten das kleine weiße Bündelchen ein und fuhren mit klopfenden Herzen nach Hause. Da begannen dann die Probleme und Problemchen, die man mit einem Hund aus dem Tierschutz oft hat: Aragon hatte seine eigene Auslegung von stubenrein: Das erste Stockwerk blieb verschont, das Erdgeschoss definierte er eher als ‚Draußen’ und damit als Pinkelzone. Nach ein paar Tagen bekam er gleich mal eine ordentliche Giardien-Infektion, und wenn wir mit ihm außer Haus waren, konnte er erkennbar keine Sekunde von der Leine gelassen werden. Auch im Garten suchte er sofort nach Fluchtmöglichkeiten und fand sie schnell. Nach ein paar Wochen fiel ihm plötzlich das Fell an den Beinen aus, es stand schnell der Verdacht auf Leishmaniose im Raum... Und es war auch nicht so, dass Aragon diese Probleme durch große Zutraulichkeit kompensiert hätte. Er mochte sich nicht gerne anfassen lassen; wenn man sich ihm auf einem Plätzchen näherte, knurrte er ärgerlich. Vorsichtiges Streicheln oder manchmal nur angeschaut werden quittierte er schnell mit einem Fletschen seiner kleinen Lefzen und ließ uns seine schiefen Zähnchen sehen. Es gab sogar ein paar Situationen, wo er, sein Futter bewachend, nach uns schnappte.
Mehr als einmal dachte ich in dieser Anfangszeit: Kann ich bitte die Reset-Taste drücken? Aber das kam nun nicht in Frage, also holten wir als Familie einmal tief Luft, tauften ‚Aragon’ in ‚Enzo’ um und begannen unser Eingewöhnungsprogramm: Tierarzt, Hundeschule und viel Geduld. Es wurden Zähne gereinigt, Krallen geschnitten, Giardien ausgemerzt, und in der Hundeschule zeigte sich schnell: Enzo hat zwar ein Terrierköpfchen, aber er ist lernbegierig, schnell, sozial verträglich, und es macht ihm total Spaß, etwas zu üben!
Weil Enzo viel Bewegung und gutes Fressen bekam, blühte er auch optisch total auf – das war schön zu sehen! Nachdem der (milbenbedingte) Haarausfall behandelt war, wuchs ein glänzendes weißes Fell nach, er entwickelte ordentlich Muskeln und richtig schöne Proportionen.
Wir finden ihn mittlerweile superniedlich, machen Habsburger-Witze über seine vorstehende Unterlippe und haben ihn total ins Herz geschlossen. Er hat sich als etwa zweijähriger offenbar fast reinrassiger Ratonero, (mit einer Prise Dackel und Pekinese) herausgestellt, eine Terrier-Rasse, von der wir vorher gar nichts gehört hatten. Mittlerweile finden wir die Rassemerkmale so klasse, dass wir uns sogar vorstellen können, irgendwann einmal noch ein kleines Ratonero-Mädchen zu adoptieren. Diese Hunde haben ziemlich Pfeffer im Hintern und brauchen wirklich ordentlich Bewegung. Aber Enzo verbreitet, wie offenbar die Ratoneros allgemein, immer supergute Laune und animiert seine Menschen, sich vom Sofa zu erheben. Enzo hat schon einen ordentlichen Jagdtrieb, der sich auf „Kleinzeug“, also Vögel, Mäuse und Eichhörnchen richtet. Aber das lässt sich mit Übung gut kontrollieren, und wir können mittlerweile sogar ohne Leine im Wald unterwegs sein, ohne Wild zu gefährden. Hätten wir nie gedacht! Jetzt geht es weiter zum Apportieren mit dem Fernziel Fährtenarbeit, damit sein schlaues Köpfchen ausgelastet wird.
Wir haben über die Monate immer besser verstanden, was Enzo vermutlich für Erfahrungen vor uns gemacht hat. Er hat wohl schon mit einer Familie in einem Haus gelebt, aber er ist sicher grob angefasst und vermutlich auch mit Füssen getreten worden: Füße sind ihm nämlich sehr suspekt, und am Anfang wich er jeder Berührung aus. Vermutlich hat man ihn oft eingesperrt und alleine gelassen, bis man ihn am Ende vor der Perrera ausgesetzt hat. Denn das ist immer noch ein gewisses Problem: Er hat Angst, alleine gelassen zu werden. Wenn eine Autotür offensteht, sitzt er drin, und macht klar: Nicht ohne mich. Wenn wir aus der Tür gehen, dann macht ihm das sehr zu schaffen und manchmal pinkelt er vor Stress. Aber auch hier machen wir Fortschritte und trainieren das Alleinsein Schritt für Schritt. Das Schönste ist: Er wird immer schmusiger. Nach ein paar Monaten ließ er sich zunehmend anfassen ohne zu knurren, und mittlerweile entdecken wir jeden Tag andere Streichel- und Massagevarianten, die ihm gut gefallen. Mit Kindern und Fremden ist er unkompliziert, und er hat zwei enge Hundefreundinnen gefunden (darunter sogar eine kleine Ratonera), mit denen er gerne spaziert und tobt.
Alles in allem: Es ist schon eine Aufgabe, einen Hund mit Vergangenheit aufzunehmen. Aber ein Tier so ankommen und aufblühen zu sehen, ist ein besonderes Glück!
Wir trauern manchmal immer noch um unseren alten Hund, aber Enzo ist ein wunderbarer Nachfolger geworden. Mit seinem originellen und zauberhaften Wesen hat er uns alle um sein Pfötchen gewickelt. Er hat das ganze Haus und die Herzen seiner Bewohner erobert und sich seine Lieblingsplätzchen gesucht. Jeden Morgen ist es eine Freude zu sehen, wir er sich reckt und streckt und begeistert in den Tag startet. Wir freuen uns auf die Jahre mit Enzo!

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Beitrag  Gast am Mi 22 Apr 2020, 14:07

Wie schön !

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Beitrag  Jenny am Mi 22 Apr 2020, 18:47

das Durchhalten hat sich gelohnt. Auf den kleinen Seelen lastet soviel, wir können alles nur erahnen .....
Aber jetzt liegen gute Jahre vor Euch und wir wünschen Euch viel Freude miteinander blue .
Jenny
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Beitrag  Frau Wuff am Mi 22 Apr 2020, 18:56

Das ist mal wieder eine schöne Happyend-Geschichte fürs Herz caro

Ich wünsche Euch eine lange und wunderschöne Zeit miteinander .
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Beitrag  birgit49 am Di 26 Mai 2020, 10:54

Eine tolle Happy End Geschichte, schön geschrieben und alles richtig gemacht. Weiterhin viel Spaß.
Schöne Grüße von Sydney seit 2013 bei uns von HPIN und der Tootsie die leider schon über die Regenbogenbrücke gegangen ist. Wir haben noch eine Canela aus Ibiza und jetzt kommt es einen deutschen Jack Russel der das spanische Temperament liebt.
Schöne Grüße Birgit
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Beitrag  Robb am Fr 29 Mai 2020, 22:31

Klasse, das Ihr drangeblieben seid. Vielleicht verratet Ihr mir mal wie Ihr Enzo beim Jagen ablenken könnt! Robby scheint alles auszublenden, was nicht mit Jagen zu tun hat. knuddel

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