Brief an mein Frauchen

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Beitrag  Frau Wuff am Mo 17 Dez 2018, 14:05

Brief an mein Frauchen  Animaatjes-kerst_dieren-99726

Bald ist wieder Weihnachten - das Fest der Liebe - und ich schreibe meinem Fraule heute einen Brief.
Ich schreibe einen Wunschzettel an den Weihnachtsmann und alle, die ihn lesen.

Dieser Brief geht so:

Ich wünsche mir, dass Du immer da bist, wenn ich Dich brauche. Dass Du mir niemals weh tust
und ich immer zu Dir kommen kann, wenn mir danach ist.
Ich möchte Dich und Deinen warmen Schoß geniessen, mich auf Dir zusammen kringeln können
und niemals das Gefühl haben müssen, dass Du mich dazu zwingst.
Du sollst in der Nacht immer Deine Bettdecke anheben, wenn mir kalt ist, und wenn Du schläfst,
soll der Platz zwischen Deinen Armen und Beinen mein Platz sein - meiner ganz alleine.
Du sollst nie mit mir schimpfen und wenn ich mal meine Ruhe vor Dir haben möchte,
sollst Du das respektieren - ich verspreche Dir, das dauert nicht lange
und wenn ich mich eine Weile von der Welt erholt habe, bin ich wieder für Dich da - einfach da!

Ich habe Angst vor lauten Geräuschen und ich mag nicht festgehalten werden,
schon gar nicht von fremden Menschen.
Früher war mir alles verboten, auch die vielen Sachen, die Hunde eben einfach mal so machen:
Bellen, Knabbern, mit Essen und Wasser kleckern, Jaulen und manchmal auch beissen,
wenn uns irgendetwas so gar nicht passt oder weh tut.
Ich wurde irgendwann nur noch geschimpft und gehauen,
später dann den größten Teil des Tages in einem Keller eingesperrt.
Wenn ich da dann meinem Haufen wieder in eine Ecke machte, wurde ich wieder geschimpft -
und ich wusste es schon immer lange bevor, ich diesen Haufen überhaupt gemacht habe.
Ich habe heute noch Angst vor Dingen, die für alle anderen völlig normal sind.
Zum Trinknapf traue ich mich nur, wenn ich alleine bin oder alle anderen schlafen.

Vergiss nie, dass ich ein Hund bin und kein Mensch!
In vielen Dingen habe ich ganz andere Bedürfnisse als Du.
Ich wünsche mir von Dir Respekt vor meiner Art und vor dem,
was uns Hunden nun einmal wichtig ist.
Ich möchte niemals wieder eingesperrt werden.
Ich möchte jeden Tag frei herumtollen können
und mit anderen Hunden lauter Sachen machen, die Du für dummes Zeugs hältst.
Den Kopf in schwarze Mauselöcher stecken, Fahrradfahrer hinterher kläffen
und meinen großen Hundekumpels in den Schwanz zwicken.
Ich möchte mit Dir zusammen durch die Gegend flitzen,
in die nächstbeste schlammige Pfütze springen
und manchmal auch nur so in der Gegend herumliegen und gar nichts tun.
Ich möchte die Welt mit meiner Nase erleben, wie Du die Deine mit den Augen.
Ich kann Sachen riechen, von denen Du Dir überhaupt keine Vorstellung machen kannst,
ich wünsche mir, dass Du das verstehen kannst. Ich möchte ein Leben haben:
Ein ganz eigenes Leben - aber mit Dir zusammen und an Deiner Seite!

Ich möchte, dass wir oft dahin gehen, wo viele kleine Kinder sind.
Ich mag kleine Kinder, sehr gerne sogar, und ich finde es toll, wenn die mit mir spielen.
Viele verstehen das nicht, weil die Kinder mir damals so viel weh getan haben.
Aber so sind wir Hunde nun einmal!
Ich wurde damals mit einem Schleifchen unter den Weihnachtsbaum gesetzt
und als dann die Kinder herein kamen, habe ich auf den Teppich gepullert.
Die Eltern hatten wieder geschimpft, aber die Kinder hatte das gar nicht interessiert.
Die haben mit mir rumgetobt und viele verrückte Sachen gemacht,
die einfach nur Spaß gemacht haben.
Das war richtig toll, vor allem in den ersten Wochen.
Aber irgendwann wurde das dann immer weniger und bald fand sich schon keiner mehr,
der mit mir mal kurz vor die Türe gehen wollte.
Immer öfter musste ich meine Geschäfte in der Wohnung machen
und immer öfter wurde ich geschimpft und gehauen.
Irgendwie konnte ich gar keinem mehr irgendetwas recht machen
und ich hatte das Gefühl, einfach nur noch im Wege zu sein.

Drei lange Jahre - bis Du zu mir kamst, mein liebes Frauchen!

Ich möchte nie wieder ein Geschenk sein, denn auch wir Hunde haben eine Seele.
Drei Jahre sind einfach drei Jahre zu viel!
Wir sind keine Dinge, die man jemandem so einfach als Geschenk in die Hand drücken
oder unter den Weihnachtsbaum legen kann.
Wir sind denkende und fühlende Lebewesen,
die ein Recht auf ein eigenes und artgerechtes Dasein haben.
Wir bringen viel Freude in Euer Leben, aber auch sehr viele Pflichten - manchmal sogar Sorgen.
Wir schenken Euch die gesamte Zeit, die wir hier auf Erden haben, unser ganzes Leben.
Wir sind immer an Eurer Seite und immer für Euch da - und wir erwarten kaum etwas dafür:
Einen vollen Napf und Respekt vor unserer eigenen Art. Mehr nicht!

Ich wünsche mir vom Weihnachtsmann, dass ich jetzt für immer ein Zuhause habe,
dass ich für immer an Deiner Seite bleiben darf.
Ich wünsche mir ein warmes Bett, Deinen Schlafgeruch, jeden Tag viele frische Fährten in der Nase
und, dass der Halunke nicht immer meine Knochen klaut.
Ich wünsche mir so vieles, aber am meisten wünsche ich mir,
dass sich meine Geschichte nicht jedes Weihnachten wiederholt.
Hunde sind keine Geschenke für kleine Kinder, schon gar nicht vom Weihnachtsmann.
Hunde und andere Tiere haben unter dem Weihnachtsbaum nichts verloren,
außer als Beschenkte an Eurer Seite!
Wir sind keine Sachen oder Dinge, wir sind Eure Freunde - und das unser ganzes Leben lang!

Vergesst das nicht!

Aus dem Buch 'Seelenhunde' von Severine Martens
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