Wie konntest Du nur ...

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Wie konntest Du nur ...

Beitrag  Frau Wuff am Di 27 Aug 2013, 18:49

Wie konntest Du nur

Als ich noch ein Kätzchen war,
unterhielt ich dich mit meinem Herumtollen und brachte dich zum Lachen.
Du nanntest mich "dein Baby",
und obwohl ich einige Nippes "killte" wurde ich deine beste Freundin.

Wann immer ich etwas "anstellte",
hobst du mahnend den Zeigefinger und sagtest: "Wie konntest du!?",

Aber schon warst du wieder so zärtlich und hast mich eng an dich gedrückt.
Als du im Studium so viel lernen musstest, hattest du natürlich wenig Zeit für mich.
Aber ich verstand das immer und spielte mit meinen Bällchen.

Ich erinnere mich an alle die Nächte,  
in denen ich mich in deinem Bett ganz eng an dich schmiegte,
und das Leben vollkommen schien.
Du tolltest dann auch wieder mit mir herum
und wir genossen die Sonne gemeinsam auf dem Balkon.

Von deinem Frühstück gab´s für mich immer was vom Wurstbrot,
"aber nicht zuviel, das ist für Katzen ungesund!"
Und ich schlief solange, bis du von der Arbeit nach Hause kamst.

Nach und nach verbrachtest du immer mehr
Zeit auf der Arbeit als mit mir, um "Karriere" zu machen.

Dann warst du so viel weg,
um einen Menschenpartner kennen zu lernen.
Ich wartete immer geduldig auf dich, tröstete dich bei jedem Liebeskummer,
tapste mit meinen Pfoten deine Tränen vom Gesicht
und freute mich, als du endlich "deinen" Partner fandest.
Zwar keinen Katzenfreund, aber ich respektierte deine Wahl.

Ich war glücklich, weil du glücklich warst!
Dann kamen nacheinander deine Kinder zur Welt.
Ich teilte die Aufregung mit dir.
Ich war
von den süßen Kindchen so fasziniert,
dass ich sie mit bemuttern wollte.
Aber du und dein Partner dachten nur daran,
dass ich den Kindern schaden, sie gar verletzen könne.

Deshalb wurde ich auch noch aus dem großen schönen Raum ausgesperrt.
In dein Bett durfte ich schon lange nicht mehr.

Ich liebte die Kinder und wurde "Gefangene der Liebe".
Sie fingen an zu wachsen und ich wurde ihre Freundin.

Sie zerrten an meinen Ohren, meinem Fell, meinem Schwanz,
hielten sich auf wackligen Beinchen beim Laufenlernen an mir fest.
Sie erforschten meine empfindliche Nase mit unbeholfenen Fingerchen
und ich hielt bei all dem geduldig still.
Ich liebte alles an den Kindern,
besonders ihre Berührungen, weil deine so selten wurden.
Ich war bereit, die Kinder notfalls mit meinem Leben zu verteidigen.
Ich war bereit, in ihre Bettchen zu schlüpfen, um ihre Sorgen und Träume anzuhören.
Und zusammen mit ihnen erwartungsvoll auf das Motorengeräusch deines Autos zu hören,
wenn du in unsere Auffahrt einbogst.

Vor langer Zeit, als man dich fragte, ob du ein Haustier hättest,
zogst du aus deiner Tasche ein Foto von mir und erzähltest so liebevoll von mir.

Die letzten Jahre gabst du nur noch ein knappes "Ja" zur Antwort
und wechseltest dann das Thema.
Ich war früher "deine Samtpfote" und bin heute "nur eine Katze".

Dann hattet ihr eine neue Karrieregelegenheit in einer anderen Stadt.
Du und deine Familie zogen in eine Wohnung,
in der Haustiere nicht erlaubt waren.
Ein Mann hat euch das extra noch gesagt
und ihr habt ohne zu Zögern unterschrieben. Beide.
Du hattest für dich und deine Familie eine Entscheidung zu finden, die richtig war.
Obwohl einmal ich deine Familie war.

Die Autofahrt machte Spaß, weil auch die Kinder mitfuhren.
Als ich merkte, wo wir angekommen waren, war der Spaß zu Ende.
Es roch nach Hunden und nach meinen Artgenossen,
nach Angst, Desinfektionsmitteln und Hoffnungslosigkeit.
Du fülltest Papiere aus und sagtest, dass du wissen würdest,
dass man ein gutes Heim für mich finden würde.

Die beiden Damen hinter dem Schreibtisch zuckten mit den Achseln
und betrachteten dich merkwürdig.

Sie verstanden die Wirklichkeit,
der eine Katze über die fünfzehn gegenüberstand.

Du hattest die Finger deiner jüngsten Tochter aus meinem Fell lösen müssen,
während sie weinte und schrie
"Nein, nein nehmt mir meine liebe Katze nicht weg!"
Ich wunderte mich noch,
wie du ihr ausgerechnet in diesem Moment etwas von Freundschaft,
Verantwortung und Loyalität vermitteln wolltest.

Zum Abschied tipptest du leicht auf meinen Kopf,
vermiedest dabei , mir in die Augen zu sehen
und lehntest es höflich ab,
meine offen daneben stehende Transportbox wieder mitzunehmen.
Du hattest einen wichtigen Termin einzuhalten,
nun habe ich auch einen.

Kurz nachdem du weg warst, sagte eine der netten Damen,
du hättest mit Sicherheit schon Monate vorher vom Umzug gewusst
und somit wäre Zeit gewesen, einen "guten Platz" für mich zu finden.
Sie schüttelten bedrückt den Kopf und fragten leise: "Wie konntest du?"

Die Damen widmeten sich uns, wann immer es ihre Zeit zuließ.
Wir bekamen gute und reichliche Mahlzeiten,
aber ich verlor meinen Appetit schon vor vielen Tagen.

Anfangs hoffte ich unentwegt, dass du zurück kämest,
und mich hier rausholen würdest.
Dass alles nur ein böser Traum gewesen wäre
und ich aufwachen würde . . . bei dir zu Hause . . .

Aber du kamst nie.
Und dann, wann immer jemand an "meinem" Vermittlungszimmer vorbei ging,
presste ich bittend meine Pfoten durch jeden möglichen Spalt.
Gab es niemanden, der mich mochte?
Niemanden, dem ich all meine Liebe, Dankbarkeit und zärtliche Treue schenken durfte?

Die Wahrheit war, dass ich es nicht mit den süßen
kleinen knuddeligen Katzenkindern aufnehmen konnte.
Unbeachtet, von allen übersehen und vergessen,
zog ich mich in eine Ecke zurück, stand nicht mehr auf.
Eines Tages, am Nachmittag, hörte ich Schritte.
Man hob mich auf, trug mich über einen langen Korridor,
der in einen Raum mündete. Es war ein seliger, ruhiger Raum.
Die Frau legte mich auf den Tisch,
streichelte behutsam über meinen Kopf und erklärte mir,
dass ich mich nicht sorgen solle.

Mein Herz schlug voller Erwartung auf das, was nun kommen sollte.
Gleichzeitig hatte ich ein Gefühl des Loslösens.

Mir, der Gefangenen der Liebe, gingen die Tage aus.
Ich war mehr um die nette Frau besorgt als um mich selbst.
Ich erkannte, dass sie an einer Last tragen müsse, die Tonnen wog.
Sie band leicht etwas um meine Vorderpfote,
während eine Träne ihre Wange hinunter kullerte.
Ich schob meinen Kopf in ihre Hand,
so wie ich es immer bei dir getan hatte, um dir meine Liebe zu zeigen.
Ich spürte einen leichten Einstich und eine kühle Flüssigkeit, die in mich hineinfloss.
Ich streckte mich schläfrig aus,
schaute dabei in die freundlichen Augen der Frau und murmelte:"
Wie konntest du?"

Möglicherweise verstand sie mein leises Miauen, denn sie sagte:
" Es tut mir leid!"
Sie umarmte mich hastig und erklärte, dass es ihr Job sei,
mir einen besseren Platz zu verschaffen, wo ich nicht missbraucht,
ignoriert und verlassen sein würde.
Einen Platz, an dem ich mich nicht verkriechen müsse,
einen Platz der Liebe und des Lichts, der so anders sei als auf Erden.
Mit meinem letzten Funken Energie öffnete ich weit meine Augen
und sah sie unverwandt an, versuchte ihr so zu sagen,
dass mein "wie konntest du" nicht an sie gerichtet war.

Ich dachte an dich, du mein geliebter Mensch.

Ich werde immer an dich denken und auf dich warten.
Mein letzter Atemzug ist mein Wunsch, dass dir in
deinem Leben immer diese Loyalität wiederfährt. . . .

***********************************
Einige Worte des Autors Jim Willis:

Wenn "Wie konntest du" Tränen in Ihre Augen trieb,
dann erging es Ihnen genauso wie mir, als ich dies schrieb.
Jedermann ist es erlaubt, diese Geschichte weiterzugeben,
solange es einem nicht kommerziellen Zweck dient.
Erklären Sie der Öffentlichkeit, dass die Entscheidung,
ein Haustier aufzunehmen, in eine Familie zu integrieren,
eine wichtige für das Leben ist,
dass Tiere unsere Liebe und unseren Respekt verdienen.

Wie konntest du nur?
("How could you?")
Copyright bei Jim Willis 2001  
 
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Re: Wie konntest Du nur ...

Beitrag  martina567 am Di 27 Aug 2013, 19:46

Das passiert wohl leider viel zu oft..........für mich sind meine Hunde "wie Kinder". Ich würde ja auch nicht umziehen, wenn die Wohnung nur an Kinderlose vermietet würde......
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Re: Wie konntest Du nur ...

Beitrag  Frau Wuff am Di 27 Aug 2013, 21:29

Ja weinen leider denken nicht alle Menschen so,
daß wenn ein Tier ... egal welches ... in die Familie aufgenommen wird
man es zum Familienmitglied macht ... ich brächte es auch nicht übers Herz
mein Hundekind abzuschieben ... es ist schon schwer genug es gehen zu lassen,
wenn seine Erdenzeit zu Ende geht.
Das ging mir bei allen meinen tierischen Begleitern so, die hatten sich alle ins Herz geschlichen.

Und es gibt immer die Möglichkeit auch eine passende Wohnung zu finden,
wenn man wirklich will.

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