Was tun bei Vergiftung

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Was tun bei Vergiftung

Beitrag  Inge am So 10 Feb 2013, 09:25

Zu eurer Info - möge der Ernstfall nie eintreten:

Notfall Vergiftung

Zum Glück sind Vergiftungen wesentlich seltener als häufig angenommen. Und in 90 % aller Tiervergiftungen war es nicht der "böse Nachbar" oder ein "Tierhasser", sondern der Hauptgrund von Vergiftungsfällen ist menschliche Fahrlässigkeit und Unwissen!!!

Da als Vergiftungsursache bei Hund und Katze zahlreiche Möglichkeiten in Betracht kommen, sollten Sie beim Verdacht auf Vergiftung immer sofort den Tierarzt aufsuchen. Ihrem Hund kann am schnellsten und effektivsten geholfen werden, wenn Sie die Vergiftungsursache kennen und diese (wenn möglich) gleich mit in die Praxis bringen (z.B. die Verpackung von Pflanzenschutzresten,...)

Mögliche Vergiftungsursachen können sein:


Pestizide: Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel
(Insektizide - Insekten, Rodentizide - Schadnager,Molluskizide - Schnecken, Akarizide - Milben, Fungizide - Pilze, Herbizide - Unkraut)

Chemikalien (z.B. Putzmittel, Frostschutzmittel)

Umweltgifte (z.B. Schwermetalle)

pflanzliche Gifte und Pilzgifte

tierische Gifte und Gifttiere

Arzneimittel oder Nahrungsmittel

Die Aufnahme dieser Gifte in den Organismus kann oral (durch Fressen der giftigen Substanz), dermal (Aufnahme des Giftes über die Haut), inhalativ (Einatmen des Giftes) oder durch den Biss eines giftigen Tieres geschehen.
Im Vergiftungsverdacht ist schnelles Handeln das allerwichtigste!!! - denn viele Gifte wirken sehr schnell, so dass nicht selten jede Hilfe zu spät kommt oder irreversible Schäden zurückbleiben.
Möglichst schon am Telefon sollte der Tierarzt im Notfall darüber unterrichtet werden, um welches Gift es sich handelt - Gift, Packung und Beipackzettel mitbringen, wie viel von der giftigen Substanz aufgenommen wurde und wie (oral, dermal usw.), wann dies geschah und welche Symptome bislang aufgetreten sind.
Ist nichts über das Gift und die Vergiftungsart bekannt, wird es für den Tierarzt sehr schwierig, denn es gibt einige Tausend möglicherweise giftige Substanzen.

Die Erstversorgung in einem solchen Notfall wird deshalb immer unspezifische Maßnahmen zur Sicherung der Vitalfunktionen (Freihalten der Atemwege, evtl. künstliche Beatmung, Schockbehandlung, Herz-Kreislauf-Behandlung unter EKG-Kontrolle, Leber- und Nierenschutztherapie, Gehirn- und Lungenödemprophylaxe) sein, ferner die Verhinderung einer weiteren Aufnahme (Resorption) des Giftes in den Körper, denn die Entgiftung ist die wirkungsvollste aller Maßnahmen.
Erst dann wird man versuchen anhand von Symptomen und der klinischen Untersuchung auf ein bestimmtes Gift zu schließen und gezielt ein entsprechendes Gegenmittel (Antidot) einzusetzen. Leider gibt es bei weitem nicht zu jedem Gift das entsprechende Antidot, hier bleibt dann nur die symptomatische Behandlung des Patienten.

Zur Verhinderung der weiteren Resorption eines Giftes dienen zur Entgiftung bzw. zur Dekontamination Brech- (Emetika) und Abführmittel (Laxantien), resorptionshemmende Mittel - Adsorbentien (in Abhängigkeit vom Gift z.B. Aktivkohle, Milch, Paraffinöl, Tannalbin), Magenspülungen und Einläufe sowie bei äußerlichem Kontakt sehr gründliches Reinigen von Haut und Haarkleid (Waschen, Scheren). Um bereits resorbierte und in der Blutbahn befindliche Stoffe rasch aus dem Körper zu entfernen, werden Diuretika eingesetzt und reichlich Flüssigkeit in Form von Infusionen zum "Verdünnen" und "Ausschwemmen" zugeführt.


Leitsymptome einer Vergiftung sind:

Bewusstlosigkeit (z.B. Alkohol, Lösungsmittel, Metaldehyd)
Erregung, Muskelzittern, Krämpfe, Lähmungen (z.B. Organophosphate, Thallium, Metaldehyd, Chlorierte Kohlenwasserstoffe, Ethylenglykol, Strychnin, Schlangenbiss)
Miosis - Pupillenengstand (z.B. Organophosphate)
Mydriasis - Pupillenweitstand (z.B. Metaldehyd, Atropin, Stychnin)
Salivation - starkes Speicheln (z.B. Organophosphate, Thallium, Metaldehyd, Ethylenglykol, Säuren, Laugen, Arsen, Stychnin)
Vomitus, Diarrhoe - Erbrechen, Durchfall (z.B. Organophoshpate, Thallium, Metaldehyd, Ethylenglykol)
Zyanose, Dyspnoe - "Blaufärbung" durch Sauerstoffmangel, Atemnot (z.B. Organophosphate, Metaldehyd, Kohlenmonoxid, Östrogene)
Blutungen, Blutgerinnungsstörungen, Anämie (z.B. Cumarine, Östrogene, Schwermetalle)
Koliken - Bauchschmerzen, -krämpfe (z.B. Organophosphate, Thallium, Säuren, Laugen, Arsen)



Wichtige Informationen im Verdachtsfall geben auch die Informationszentren für Vergiftungsfälle, z.B.

Kassel: Giftinformationszentrum Tel. 0561/9188188
Mainz: Med. Universitätsklinik Notfall-Tel. 06131/19240, Tel. 06131/232466
Bonn: Informationszentrale für Vergiftungen Tel. 8/2873211
Göttingen: Giftinformationszentrum Tel. 0551/19240 od. 383180.

Die häufigsten Vergiftungen:

Wichtig: Bringen Sie bei Verdacht auf Vergiftung Ihr Tier sofort zum Tierarzt. Nur er hat das Wissen und die Mittel um Ihrem Tier schnell zu helfen.

Cumarin-Vergiftung

Cumarinderivate, die als "Rattengift" eingesetzt werden, sind recht häufig die Ursache von Vergiftungen. Hierbei ist die Vergiftungsgefahr durch Fressen vergifteter Nager jedoch gering, da die einmalige Aufnahme des Giftes weniger gefährlich ist als die wiederholte Aufnahme selbst kleiner Mengen. Zur gefährlichen Vergiftung kommt es daher in der Regel durch die Aufnahme der unachtsam an für Hund und Katze zugänglichen Orten ausgelegten Giftköder. Nicht selten vergiften Herrchen und Frauchen so ihr eigenes Haustier. Cumarin wirkt als Antikoagulanz, das die Prothrombinbildung in der Leber blockiert, so daß es durch Blutgerinnungsstörungen und Schädigung der Blutgefäßwände zu Blutungen im gesamten Körper kommt. Erste Vergiftungssymptome treten durch die körpereigenen Prothrombinreserven erst nach einigen Tagen auf: verwaschene Schleimhäute, Blutungen aus allen Körperöffnungen, erhöhte Herzfrequenz, schwacher Puls, Atemnot, das Tier zeigt keine Schmerzen. Labordiagnostisch stützen Gerinnungstests die Diagnose. Rechtzeitig erkannt kann man die Cumarin-Vergiftung neben der Notfallbehandlung durch Vitamin K-Gaben (Antidot) über mehrere Tage therapieren, gegebenenfalls sind zusätzlich Vollbluttransfusionen notwendig.


Organophosphat-Vergiftung

Organophosphate (Phosphorsäureester, z.B. E605) spielen heute vor allem als Insektizide (Schädlingsbekämpfungsmittel) und Herbizide (Unkrautvertilgungsmittel) eine Rolle. Eine Vergiftung mit Organophosphaten führt zu einer lang anhaltenden Überschwemmung des Organismus mit Acetylcholin, einem Botenstoff des parasympatischen Nervensystems, und der damit verbundenen ausgeprägten Stimulation cholinerger Rezeptoren. Vergiftungssymptome können bereits 30 Minuten nach der Giftaufnahme auftreten und äußern sich zum einen durch Miosis (Pupillenengstand), Speichelfluß, Erbrechen, Durchfall, Kolik, Harnabsatz, Bradykardie (Verlangsamung des Herzschlags), Blutdruckabfall, sowie lebensbedrohliche Bronchokonstriktion und -sekretion, und zum andern durch Muskelzittern, Muskelsteife und schließlich Paralyse (Lähmung). Da Organophosphate auch ins Gehirn gelangen, kommt es durch Stimulation zentraler Rezeptoren zu Ataxien, Tremor, Krämpfen und schließlich zum Koma mit Atemlähmung. Es muß so schnell wie möglich gehandelt werden: neben einer intensiven Notfallbehandlung des Patienten wird Atropin als Antidot eingesetzt, je nach Schwere der Vergiftung über mehrere Tage.

Thallium-Vergiftung

Das Schwermetall Thallium wird ebenfalls zur Bekämpfung von Schadnagern (Rodentizid) eingesetzt und führt bei akuter Vergiftung durch direkte Aufnahme oder auch durch das Fressen vergifteter Nagetiere zu einer hochgradigen Magen-Darm-Entzündung mit Erbrechen von Blut, blutigem Durchfall, Bauchschmerzen und Futterverweigerung. Vergiftungssymptome treten binnen 1 bis 4 Tagen auf. Atemnot, Zittern, Ataxie und Krämpfe kommen erschwerend hinzu. Die toxische Wirkung von Schwermetallen (z.B. auch Blei, Quecksilber, Arsen) basiert auf proteindenaturierenden Eigenschaften, der Blockade von aktiven Enzymzentren, der Radikalbildung, der Verdrängung von Calcium und der Methämoglobinbildung (Sauerstofftransportsysteme im Blut werden zerstört). Der Erfolg der Behandlung bei einer Thallium-Vergiftung, die durch den Einsatz von Komplexbildnern als Antidot (Eisenhexacyanoferrat) möglich ist, hängt gravierend vom Zustand des Patienten und der bereits erfolgten Schädigung der inneren Organe (v.a. Leber und Niere) ab.

Metaldehyd-Vergifung

Das als Schneckengift ("Schneckenkorn") bekannte Metaldehyd ist durch seinen süßen Geschmack für Hunde und Katzen leider sehr attraktiv, so daß es immer wieder zu Vergiftungen kommt. Auch in Brennstoffen wie Trockenspiritus ist Metaldehyd enthalten. Erste Vergiftungssymptome treten bereits nach 30 Minuten bis wenigen Stunden auf. Beginnend mit starkem Speichelfluß kommt es schnell zu Erbrechen, Unruhe, Koordinationsstörungen, Durchfall, Atemnot, hohem Fieber, Zittern, Krämpfen, Lähmungen und schließlich zur Bewußtlosigkeit. Da es kein Gegengift gibt, ist die möglichst schnelle Entgiftung lebensnotwendig. Bereits der Tierbesitzer sollte die Maulhöhle seines Vierbeiners kontrollieren und noch an der Maulschleimhaut klebende Metaldehydstücke sofort entfernen.

Organische Kohlenwasserstoffe

Als Schädlingsbekämpfungsmittel, v.a. als Insektizid, bekannt ist Hexachlorcyclohexan ("Lindan"). Katzen reagieren besonders empfindlich auf chlorierte Kohlenwasserstoffe. Die fettlöslichen Verbindungen können in toxikologisch relevanten Mengen durch die Haut resorbiert werden. Zusätzlich wird einiges aufgrund der Fellpflege durch Ablecken oral aufgenommen. Klinische Symptome setzen binnen weniger Stunden ein und äußern sich in verstärkter Salivation, Durchfall, Fieber, Koordinationsstörungen, gesteigerter Reaktion auf äußere Reize, Muskelzuckungen bis hin zu Krämpfen. Da es kein spezifisches Antidot gibt, hat die Behandlung v.a. zum Ziel, einen weiteren Kontakt und die Resorption des Giftes zu verhindern: Abwaschen des Giftes, Magenspülung, Adsorbentien, Abführmittel.

Ethylenglykol

Das als Frostschutzmittel verwendete Ethylenglykol führt wegen seines süßen Geschmacks, der es für Tiere interessant macht, besonders im Winter nicht selten zu Vergiftungsfällen. Durch Aufnahme von Ethylenglykol kommt es zur generalisierten Schädigung der Kapillare und des Zentralen Nervensystems. Die sich bereits nach 30 - 60 Minuten zeigenden Vergiftungssymptome sind Erbrechen, Benommenheit, Ataxie, Krämpfe, Untertemperatur und schließlich Koma. Bei akuten Vergiftungen tritt der Tod durch Herzversagen ein. Chronische Vergiftungen sind durch Nierenversagen gekennzeichnet. Eine Behandlung kann nur Erfolg versprechen, wenn sie innerhalb weniger Stunden nach der Giftaufnahme erfolgt.

Von der Vielzahl der Giftstoffe sind hier wirklich nur die häufigsten Vergiftungsursachen beschrieben. Aber sie sehen, welch dramatische und nicht selten tödliche Folgen solche Gifte haben können. Gehen sie deshalb nicht leichtfertig mit giftigen Substanzen um, sondern äußerst vorsichtig und verantwortungsbewußt. Besser noch sie vermeiden ihren Einsatz, wo immer es möglich ist. Darüber hinaus sollten Pestizide, Chemikalien, Putzmittel, Medikamente und sonstige gefährliche Substanzen nicht nur für Kinder, sondern auch für Tiere unzugänglich aufbewahrt werden!


Macht vielleicht Sinn, sich zumindest mal die Tel.-Nummern aufzuschreiben.
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Inge
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